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Tuch oder Stoff?

Spätestens seit dem XI. Jahrhundert vermochte man hierzulande den rohen Geweben aus Wolle durch die nachträgliche Behandlung des Walkens eine festere, dichtere Beschaffenheit und durch Scheren im Verein mit dem Färben ein gleichmäßigeres, schöneres Aussehen und somit einen erheblich höheren Wert zu geben. Solche veredelten Gewebe erhielten den Namen Tuch gegenüber den gewöhnlichen Wollgeweben, welche damals Loden* hießen. Sie wurden von besonders ausgebildeten Webern, den Tuchwebern, hergestellt, sodass man Leinenweber, Lodenweber und Tuchweber unterschied. Mit der Zeit verschwammen die Begriffe jedoch so weit, dass im heutigen allgemeinen Sprachgebrauch veredeltes, hochwertiges Gewebe mit Tuch bezeichnet wird, gegenüber den einfacher hergestellten Stoffen. Das zu fertigende Kleidungsstück bestimmt letztendlich die Entscheidung des Schneiders oder der Schneiderin, welche Textilien am besten füe die jeweilige Anwendung geeignet sind.

*Der Begriff Loden bezeichnete ursprünglich nur das unfertige Rohgewebe vor dem Walkprozess. Heutzutage wird der Begriff Loden als Sammelbezeichnung für dichte Streichgarngewebe aus Wolle verwendet, die wegen ihrer Wind- und Regendichtigkeit seit jeher hoch geschätzt werden.